Auf Resonanzen per mailfreuen sich 

 

    Marjan           und         Andreas 

   

Text und Kunst – eine fruchtbare Synthese

Einige Eindrücke vom Studientag „Playing Arts“ 2010 in Bielefeld

 

„Macht doch, was ihr wollt!“ Diese Aufforderung an die Teilnehmer beschreibt für mich im Rückblick einen wesentlichen Charakterzug von Playing Arts. Die Leitenden bringen Impulse ein, halten sich dann aber zurück und nehmen keinen Einfluss auf den weiteren Prozess. Den Teilnehmenden ist völlig frei gestellt, ob und in welcher Weise sie die Impulse aufnehmen. Ebenso bleibt es jedem/r selbst überlassen, welche Anliegen, Themen oder Fragestellungen er oder sie im Kontext eines Playing Arts-Workshops verfolgen will.

 

„Folge deiner eigenen Spur!“ heißt denn auch der zweite zentrale Imperativ. Damit wird den Teilnehmenden nicht nur ein Maximum an Freiheit und Spielraum gewährt, sondern auch die komplette Verantwortung für sich und den eigenen Prozess übertragen. Ich empfinde das als wohltuend, Autonomie und Selbstwert stärkend, aber auch als sehr anspruchsvoll.

 

Und die ästhetischen Impulse, von denen der ganze Prozess angestoßen und auch über weite Strecken getragen wird? Die kommen aus bildender Kunst, Theater, Tanz, Musik, Literatur, Film, ….. es gibt für die Auswahl eigentlich keine Grenzen, außer denen, die im künstlerischen Horizont und Interesse der vorbereitenden Leitungs-personen liegen. Beachtlich finde ich das technische Equipement, das beim Studientag aufgefahren wurde: Zwei Laptops, ein Monitor, ein DVD-Spieler, ein Beamer, eine Stereoanlage und drei Digitalkameras. Es lässt sich erahnen, dass dem hohen technischen Aufwand ein entsprechend hoher Zeitaufwand für die Vorbereitung eines solchen Tages korrespondiert.

 

Die Fülle und auch die konkrete Auswahl an ästhetischen Impulsen, die wir beim Studientag erlebt haben, empfand ich als sehr faszinierend und überaus anregend. Es entstand tatsächlich das intendierte „Reizklima“, das den Spieltrieb weckt und neue Ideen freisetzt.  Und – wie könnte es anders sein – ich spürte auch gelegentlich Befremden, Irritation, anfängliche innere Abwehr.

 

Aus der Perspektive des Bibliodramaleiters fällt mir auf, dass es bei Playing Arts wesentlich weniger Interaktion in der Gruppe gibt als im Bibliodrama. Die einzelnen sind stärker auf ihr je eigenes „Projekt“ konzentriert. Auch das kritische Gegenüber eines Leiters, der den Prozess der Gruppe und der einzelnen stärker begleitet, vermisse ich etwas. Was den Bibeltext betrifft, so habe ich einerseits ein bisschen die Befürchtung, dass er in der Fülle der anderen ästhetischen Impulse untergehen könnte. Auf der anderen Seite fasziniert es mich aber, was für überraschend neue Gesichter ein Text offenbaren kann, wenn er in eine spannungsreiche Beziehung zu einem anderen „Objekt“ tritt. Die hermeneutischen Konsequenzen, die ein solches In-Beziehung-Setzen nach sich zieht, wären dann natürlich auch zu bedenken.

 

Playing Arts und Bibliodrama unterscheiden sich also methodisch zum Teil recht stark. Aber mir scheint, dass sie sich gerade deshalb auf sehr fruchtbare Weise miteinander kombinieren lassen.

 

Ulf Pomerenke, W.ORTSPIEL, Stuttgart

 

Textraumbericht von Andreas Pasquay + Marjan Meeuwsen>>>