Antje Seeger/Dresden
Gastkünstlerin beim Sommeratelier 2010
 
 
ANDACHTSRAUM, 2010
  imaginierte Ansicht bei erfolgreicher Nutzung der Installation
  Fotomontage
 

ANDACHTSRAUM, 2010                                                               ANDACHTSRAUM, 2010

  einfache Ansicht der Installation                                                        Grundriss der Konstruktion 

ANDACHTSRAUM
 

Installation, 2010

 

Der ANDACHTSRAUM ist eine ortsbezogene und interaktive Rauminstallation. Er wurde zum ersten Mal im ehemaligen Burkhardtshaus Gelnhausen realisiert. Die Arbeit bestand neben der gegebenen Raumsituation aus 6 farbigen Streifen (gelb, rot, blau), einer Sitzgelegen-heit und dem REALISATOR.

Nur vom Sitz (dem Blickpunkt des Betrachters) aus konnte der ANDACHTSRAUM vollständig wahrgenommenwerden. Die bestehende Mittelsäule spielte dabei eine wichtige Rolle.

Der Betrachter war gebeten, seine visuelle Aufmerksamkeit auf die farbigen Streifen links und rechts von der Mittelsäule zu richten und gleichzeitig den so genannten Kreuzblick (leichtes Schielen) anzuwenden. Dadurch entstand langsam eine Verdopplung der Säule, zwischen welcher er ein drittes und fiktionales Raumbild von drei farbigen, hintereinander schwebenden Stäben sehen konnte. Obwohl das Anwenden des Kreuzblicks für viele Menschen eine Herausforderung darstellt, ist es die wichtigste Vorraussetzung zum Verständnis der Arbeit.

 

Darüber hinaus konnte mit Hilfe des REALISATORS der Effekt der Fiktionalisierung verstärkt werden. Durch die Verschiebung beweglicher Holztafeln (zur Nasenspitze hin) wurde das fiktionale Raumbildmotiv zwischen den Doppelsäulen extrahiert. Die dadurch entstehende visuelle Erscheinung integriert Raumelemente, welche verdeckt und außerhalb des durch den REALISATOR eingeschränkten Gesichtsfeldes lagen. Der Betrachter konnte somit eine Bildlichkeit erleben, die aus Teilen entfernter Wirklichkeit zusammengesetzt war.

 

Visuelle Katharsis, Blickverschiebung, Raumauflösung, Eins, Zwei, Drei, Realität, Fiktion, Ferne und Transzendenz sind fundamentale Begriffe zum Verständnis des ANDACHTSRAUMES. Die Arbeit hinterfragt die Opferbereitschaft des Betrachters, indem sie Ihn auf die Grenzen eigener Körperlichkeit zurückwirft - primär auf die Flexibilität seiner Augen. Durch die Nutzung des ANDACHTSRAUMES entsteht ein Angebot, die Praxis des eigenen Sehens, die Wahrnehmung von Wirklichkeit sowie die Fixierung auf gewohnte ’Sichtweisen’ und ’Blickwinkel’ zu hinterfragen und zu verändern.

 

 

  DAS KREUZ, 2010

                                                                      5 gerahmte Fotografien, Farb- Druck auf Epson Lustre,

                                            Einzelmaß Bild 50 x 70 cm, Gesamtmaß bei Hängung 160 x 220 cm

 

 

 

DAS KREUZ
 

Fotografie, 2010

 

Im Rahmen der Installation ANDACHTRAUM entstand die Fotoarbeit DAS KREUZ.

 

Mit einem Augenzwinkern nimmt DAS KREUZ Bezug auf das christlich konnotierte Symbol und die Symbolik der Säule, dem Oben und Unten und den Zahlen Eins, Zwei, Drei.

Das Mittelbild zeigt das realisierte Bildmotiv des Gelnhausener ANDACHTSRAUMES.

Das rechte und linke Bildmotiv stehen für die 2x3 Farbstreifen, welche sich rechts und links von der Gelnhausener Säule befanden. Das untere Bildmotiv zeigt den REALISATOR, das obere Bildmotiv zeigt die Nutzung des REALISATORS während der visuellen Andacht.

 

Bei kreuzförmiger Hängung kann das rechte und linke Bildmotiv mittels Kreuzblick zu einem Raumbild verschmolzen werden.

So hinterfragt die Arbeit erneut die Opferbereitschaft des Betrachters, indem sie Ihn auf die Grenzen eigener Körperlichkeit zurückwirft - primär auf die Flexibilität seiner Augen.

Vor der uns fremden Sichtweise des Kreuzblicks schrecken die meisten Menschen zurück, da die Augen eine leichte Schielstellung einnehmen müssen. Schielen ist bei uns mit einem starken Tabu belegt und Kindern wird es sogar verboten. Der Kreuzblick ist jedoch nicht ungesund – im Gegenteil - durch seine Anwendung entsteht die Möglichkeit des eigenen Sehen, und die Wahrnehmung von Wirklichkeit zu hinterfragen.

Eine einfache Veränderung des Blickwinkels führt zur Auflösung gewohnter Sichtweisen und Ansichten. 

 
 
   
  

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